Die Türkei stand in der vergangenen Woche im energiepolitischen Rampenlicht. Energiekorridor, Energielieferant für Europa oder geostrategische Pluspunkte...alles Stichworte, die zuletzt gefallen sind. Aber was springt wirklich für die Türkei heraus? Welche türkischen Unternehmen profitieren?
Das ist beispielsweise die Ciner Gruppe (www.parkgroup.com.tr). Sie stellt den türkischen Partner im türkisch-russischen Konsortium, das den Auftrag für den Bau des ersten türkischen Kernkraftwerks in Mersin-Akkuyu gewonnen hat. Die stark diversifizierte Ciner-Gruppe möchte neben den zahlreichen Geschäftsfeldern verstärkt das Energiesegment bearbeiten.
Die Calik-Gruppe (www.calik.com), ohnehin im Dauerverdacht von der Erdogan-Regierung begünstigt zu werden (Schwiegersohn von Erdogan ist im Top-Management), profitiert ebenfalls vom türkischen-russischen Wirtschaftsfrühling. Eine Ölpipeline von Samsun an der Schwarzmeerküste, wo bereits die Blue Stream-Gaspipeline endet, soll bis in den türkischen Süden nach Ceyhan führen, damit russische Öltanker nicht mehr den Bosporus befahren müssen. In Ceyhan sind zudem Raffinerieanlagen in Planung. Calik kooperiert im Erdgasvertrieb bereits mit dem deutschen Energieversorger EWE (Kayserigaz und Bursagaz).
Die türkische Aksa Holding (www.aksa.com.tr) gehört bereits zu den größten privaten Energiezeugern des Landes. Im Portfolio befinden sich sowohl Wärmekraftwerke als auch Windkraftanlagen. Nun wird Aksa gemeinsam mit Gazprom in Ceyhan ein Erdgasterminal aufbauen.
Die staatliche Pipelinegesellschaft BOTAS (www.botas.gov.tr) wird ebenfalls mit Gazprom ein unterirdisches Erdgasdepot errichten, so dass die Verfügbarkeit des wichtigen Energieträgers verbessert wird.
Es ist also nicht nur der Staat, sondern auch türkische Unternehmen, die vom Putin-Besuch profitieren. Allerdings warten die türkischen Spediteure immer noch auf eine Lockerung der Handelsbürokratie, denn seit März dürfen türkische Lkws nicht mehr nach Russland rein. Es bleibt noch viel zu tun, aber das Energiegeschäft in der Türkei blüht mehr denn je.
(An)Fragen an Dr. Orhan Kocagöz Kocagoz@Turconomics.com |