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Der türkische Frühling an den Finanzmärkten

Es ist keine Frage, die Türkei befindet sich in einer Rezession. Aber die könnte vielleicht bald vorbei sein, solange der Aufwind – womöglich eine Bärenmarktrallye – an den globalen Märkten anhält. Denn in den letzten Wochen, wohl auch mit einem Schuss Obamania, verteuert sich die Türkische Lira (TL) wieder, die im Zuge der Krise stark an Wert verlor. Der USD kletterte bis auf 1,80 TL (Kurs am 10. März) in der Spitze, ist aber seit den kontrollierten Interventionen der Türkischen Zentralbank (TCMB) wieder auf Normalniveau abgebröckelt. Als dann auch die globalen Märkte zwischenhaussierten, endete die USD-Spekulation abrupt. Inzwischen ist der Greenback auf 1,58 USD gefallen. Auch der Euro, der bis auf 2,30 TL (Kurs am 23. März) hochschnellte, tendiert gegenwärtig mit 2,06 TL wesentlich leichter.

Der Grund für diese Zwischeneuphorie ist das herbeigesehnte Beistandsabkommen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF), womit die Märkte fest rechnen. Erwartet wird ein Paket in Höhe von 25 Mrd. USD, wobei ein Betrag von 40 Mrd. USD durchaus im Möglichen liegt. Letzteres Volumen könnte die Devisenkurse noch einmal nach unten drücken. Und das obwohl die TCMB den Leitzins um weitere 50 Basispunkte auf 10% absenken wird. Sollte die Konjunktur wieder anziehen und die Rohölpreise steigen, dann dürften die türkischen Notenbanker wieder an der Zinsschraube drehen, diesmal nach oben. Es könnte also ein Jahr der türkischen Währung werden, nachdem zuletzt herbe Verluste zu verbuchen waren.

Ein Vergleich mit der Umlaufrendite könnte neue Erkenntnisse für den weiteren Kursverlauf erbringen (siehe Graphik). In der ersten Jahreshälfte 2008 sind die Aktien- und Anleihekurse von Rekordständen (vor allem Aktien) gefallen. Die Luft im Aktienmarkt wurde zu heiß, so dass Zinsanlagen sichere Erträge versprachen. Die Opportunitätskosten für Devisenhaltung nahmen zu, so dass der Greenback an Wert einbüßte. Das Carry Trade-Geschäft erreichte in dieser Phase einen Höhepunkt. Mit dem Ausbruch der Krise zogen Anleger zwangsläufig Gelder ab (USD-Kurve schnellt nach oben). Im Zuge dessen erreichte die Renditekurve ihren zwischenzeitlichen Höchststand, nachdem die letzten Optimisten türkische Papiere veräußerten. Im Herbst kam dann die TCMB ins Spiel und senkte die Leitzinsen dramatisch ab. Aber der Druck auf die Wechselkurse lastet weiterhin. Es kommt erst zur Entlastung als der USD die Marke von 1,80 TL testet. In einem Devisenauktionsverfahren entlarvt die türkische Zentralbank die Spekulanten, indem sie genügend USD bereitstellt. Wie zu erwarten, hielt sich die Nachfrage in Grenzen. In der Folge bröckelte der Kurs der US-Währung stark ab.

Der türkische Frühling ist eindeutig vom globalen Finanzwetter abhängig. Auch darf es in Sachen IWF keine Enttäuschung geben. Allerdings bleibt die Konjunktur weiterhin am Boden. Es ist daher ungewiss, ob es vor diesem Hintergrund einen verstärkten Zufluss aus dem Ausland geben wird. Es ist wohl allenfalls mit einer Beruhigung der Kurse zu rechnen. Dann könnte der Kurs des Greenback wieder auf unter 1,50 TL fallen. In diesem Fall dürfte die europäische Gemeinschaftswährung ebenfalls billiger werden und unter die Marke von 2 TL abrutschen. Es könnte sich aber auch um eine Bärenmarktfalle handeln, so dass Anleger mit Vorsicht agieren müssen. In diesem Falle könnte sich das Umschichten von TL in USD lohnen. Eine zu starke türkische Währung ist zudem nicht im Interesse der Wirtschaftspolitik, denn der arg gebeutelte Export darf nicht durch eine teure TL beeinträchtigt werden. Hingegen dürfte die Umlaufrendite erst einmal auf dem gegenwärtigen Niveau verharren. Gelegenheit für die Staatskasse sich zu diesen günstigen Konditionen zu verschulden.

Graphik vergleicht den Verlauf des USD/TL-Wechselkurses mit dem Verlauf der Umlaufrendite (beide Wochenschlusskurse) seit Anfang 2008; beide Werte zum besseren Vergleich zum 4. Januar 2008 mit einem Indexstand von 100 Punkten fixiert; das bedeutet, dass der USD seit diesem Zeitpunkt knapp 35% an Wert zugelegt und die Rendite um 21% verloren hat

Datenquelle: Istanbul Stock Exchange (ISE) und Türkische Zentralbank (TCMB)

Quelle: Turconomics vom 11.4.2009


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